Das Interview zum Buch “Ratgeber Gefahrenabwehr”

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Das Interview zum Buch “Ratgeber Gefahrenabwehr”

Das Interview zum Buch führt Susanne H., Polizeibeamtin und langjährige Wegbegleiterin.

Susanne: Steffen, wie kamst du auf die Idee ein eigenes Buch zu schreiben?

Steffen: Seit mehreren Jahren schreibe ich ja hin und wieder für Polizeibeamte Fachartikel die ich mit meiner persönlichen Meinung verbinde, da ich auch Dinge kritisch hinterfrage. Inzwischen sind eine ganze Menge solcher Aufsätze zusammengekommen. Einige davon habe ich hier auf dieser Homepage zusätzlich veröffentlicht, andere, die ich unter einem Pseudonym veröffentlicht habe, wird man hier nicht vorfinden. Anlass für das Erstellen von Aufsätzen war und ist mein Wissensdrang und meine große Neugierde, Sachverhalte komplex und interdisziplinär zu erfassen und dabei die subjektive Brille beispielsweise eines Polizeibeamten, Fußballfans, Täters und Opfers abzusetzen. Da ist es dann nur noch ein kleiner Schritt, sich an das Manuskript für ein Sachbuch heranzuarbeiten.

Susanne: Gab und gibt es für dich auch emotionale Gründe für dein Projekt?

Steffen: Oh ja! Aus meiner Wahrnehmung entwickeln wir uns in eine Richtung, indem Menschen zunehmend gezwungen sind, für ihre persönliche Sicherheit und Unversehrtheit verstärkt privat zu sorgen, da sich der Staat immer mehr von seinen hoheitlichen Aufgaben zurückzieht. Beispielsweise im Land Brandenburg, aber auch in Thüringen und Sachsen wird die Personaldecke der Polizei immer mehr ausgedünnt, das ist meiner Meinung nach politischer Wille.  Als Gewerkschaftsmitglied stelle ich fest: die eher harmlose Bezeichnung „Polizeistrukturreform“ ist im Prinzip nichts anderes als ein Stellenabbau und Einsparungsprogramm. Der Bürger merkt es daran, dass es bei seiner Strafanzeige zu einem Delikt der Massenkriminalität kaum mehr polizeiliche Ermittlungen gibt, dass bemängeln auch andere Gewerkschaftsmitglieder. Aber auch daran, dass man immer weniger uniformierte Polizei auf der Straße sieht oder am verstärkten Straftatenaufkommen, beispielsweise von Grenzkriminalität, ungeklärten Firmen- und Wohnungseinbrüchen, Kfz- sowie Trickdiebstählen und einer starken Zunahme von organisierten Banden. Hinzu kommt, dass es für die verbleibenden Polizeibeamten immer schwieriger wird, ihren Aufgaben nach den gesetzlichen Vorgaben gerecht zu werden, und die Mitarbeiterzufriedenheit aus meiner Sicht sinkend ist. Innere Konflikte werden nach dem Recht des Stärkeren geregelt oder einfach ausgesessen, wir haben einen sehr großen Anteil an Dauerkranken, der bundesweit führend ist. Das allein spricht schon eine deutliche Sprache, wie dort der Umgang untereinander geworden ist. Polizeibeamte holen jedoch auch unter diesen Bedingungen das Optimale an Arbeitsproduktivität heraus. Querdenker haben es demzufolge eher schwer, da sie sich nicht mit Floskeln zufriedengeben und eine Scheinwelt aus Hochglanzprospekten und Erfolgsmeldungen aus dem Elfenbeinturm ablehnen. All das hat Auswirkungen auf die objektive Kriminalitätslage und das subjektive Sicherheitsgefühl der Menschen im Land, denn einige reale Bedrohungen durch Kriminelle nehmen ja auch tatsächlich zu. Das ist ja alles nicht nur Einbildung, wenn sich Bürger darüber beschweren, dass nun schon zum dritten Mal ihr Fahrrad gestohlen wurde und nie ein Täter dingfest gemacht werden konnte oder was das für ein Horror für einen Hausbewohner ist, wenn er in seiner eigenen Wohnung überfallen wird. Am 30.09.2014 habe ich u.a. gelesen, dass ein 17-fach vorbestrafter Ganove nach einer erneuten Straftat und der darauffolgenden Anklage von einer Richterin wieder nur eine Bewährungsstrafe erhalten hat. Auch wenn ich weiß, dass der Strafvollzug nicht zwangsweise aus einem Insassen einen besseren Menschen macht, erscheint mir eine immer wiederkehrende Milde ein bedenklicher Ansatz der Justiz zu sein, den Opfer meines Erachtens verständlicherweise nicht mehr verstehen können. Übergroße Nachsicht mit den Tätern bestätigt diese nur in ihrem Verhalten und nährt damit den Boden für neue Straftaten. Auch deshalb habe ich dieses Manuskript geschrieben.

 

Susanne: Welche Zielgruppe willst du mit deinem Buch ansprechen?

Steffen: Es soll ein Werk für Polizeibeamte sein, aber ganz besonders für die ganz normalen Bürger, die ihren Alltag bewältigen müssen und heil und gesund abends wieder nach Hause kommen und ihre Freizeit zur Erholung innerhalb ihres Eigentums unversehrt verbringen wollen. Jeder Mensch hat das Recht, zum Beispiel nicht belästigt, beleidigt, verfolgt, geschlagen, verletzt, beraubt oder gar getötet zu werden. Die Zeiten sind eindeutig rauer geworden. Die von mir sehr geschätzte vorsitzende Richterin einer großen Strafkammer, Sigrun von Hasseln-Grindel, schreibt in ihrer Rechtspädagogik Human Law vom Aufhalten gesellschaftlicher Zerfallsprozesse. Angriffe gegen Polizeibeamte sind an der Tagesordnung, aber auch die Verkäuferin im Supermarkt merkt, dass manche Personen zunehmend aggressiver und anmaßender auftreten und mit dem sprachlichen Ellenbogen agieren. Auch Feuerwehrleute und Rettungssanitäter im Einsatz laufen erhöhte Gefahr, angegriffen zu werden, obwohl diese nur helfen wollen. Das Gleiche trifft auf Lehrer zu, die manchmal von Schülern beleidigt oder sogar tätlich angegriffen werden. Das zu sagen ist oftmals gar nicht so einfach, weil dann schnell der Ruf nach der Schere im Kopf und der sogenannten politischen Korrektheit aufkommt und viele Betroffene dann doch lieber den Mund halten. Opfer von Straftaten haben nach wie vor fast keine Lobby, währenddessen für Täter ganze Heerscharen von Gutmenschen Hilfsangebote machen und übrigens auch davon leben. So habe ich beispielsweise zur Kenntnis nehmen müssen, dass in NRW von organisierten Täterbanden ganze Landstriche dahin gehend abgegrast wurden, indem man alten und gebrechlichen Rentnern mit dem Enkeltrick um ihre Lebensersparnisse gebracht hat. Warum gerade NRW und nicht Bayern? Weil die Justiz in Bayern viel härter gegen Straftäter vorgeht. Die Presse in NRW hat jedoch aus politischer Rücksichtnahme auf die Herkunft der Täter kaum oder gar nicht davon berichtet (1*),  auch um der Bevölkerung eine Sicherheit vorzugaukeln. Immerhin hat ein dortiger Richter bei seiner Urteilsverkündung vom hässlichsten Geschäft gesprochen, dass er jemals verhandeln musste. Zum Glück ist das seit Neuestem nicht mehr so und man darf darüber berichten. Diesen Opfern will ich beistehen und andere Menschen darüber aufklären, wie diese Straftaten funktionieren, um sich davor zu schützen.

 

Susanne: Was ist das Besondere an deinem beabsichtigten Buch?

Steffen: Es gibt am Markt vergleichsweise viel Literatur betreffs Überlebenstrainings, die von Gefahrenbewältigungen im Outdooreinsatz und auf Abenteuerreisen handeln. Ich bin in der Lage, Menschen für den Alltag verhaltensmäßige Richtlinien und effektive Hilfestellung zur Abwehr von Gewalt und anderen Straftaten zu geben, die einem heutzutage in unserer zivilisierten Gesellschaft begegnen können. Das betrifft sowohl präventive Maßnahmen als auch Strategien für den akuten Fall wenn es bereits soweit ist, dass man z. B. bedroht, geschlagen, überfallen oder verbal terrorisiert wird. Das ist kein Buch ausschließlich für Spezialisten, sondern vorrangig ein Werk für „Otto Normalverbraucher“. Als erfahrener Einsatztrainer der Polizei weiß ich, je einfacher eine Sache zu erlernen ist, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, diese im Konflikt- und Krisenfall gegenüber Tätern effektiv anzuwenden und damit der Gefahr doch noch zu entgehen. Dabei handle ich die gängigsten Straftaten und unsozialen Verhaltensweisen ab, analysiere diese auf Grundlage von vielen wissenschaftlichen Studien und gebe entsprechende Verhaltensrichtlinien heraus. Nebenbei erfährt man eine Menge an Hintergrundinformationen darüber, welche Personen hinter welchen Straftaten stecken können und wie diese in der Praxis ablaufen.

Als Polizeibeamter kann ich dabei auf einen großen Erfahrungsschatz zurückgreifen. Dabei helfen mir meine 15-jährige Praxis als Einsatztrainer in der Erwachsenenqualifizierung mit bereits ausgebildeten Polizeibeamten, außerdem mehrjährige Erfahrungen als Vorgesetzter, Tätigkeiten in der Bereitschaftspolizei, Prävention, Wach- und Wechseldienst sowie längere Praktika bei der Kriminalpolizei im Bereich der schweren Kriminalität. Außerdem bin ich seit 40 Jahren aktiver Fußballfan und aufmerksamer Bürger, der ebenso wie jeder andere von schönen und weniger schönen Erlebnissen geprägt ist, die ich erfolgreich bewältigt habe. Deshalb weiß ich auch zu berichten, wie so etwas anzugehen ist.

Datum des Interviews: 01.05.2015

(1*) Oberstaatsanwalt Egbert Bülles, „Deutschland Verbrecherland?“

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Über den Autor:

Seit einigen Jahren denkt, schreibt und veröffentlicht Steffen Meltzer Artikel über verschiedene Themen aus den Bereichen Polizei, Sport, Psychologie, Einsatz, Sicherheit und Abwehr von Gewalt.

9 Kommentare

  1. Bubi 4. Oktober 2014 um 19:13 Uhr - Antworten

    Danke für das tolle Interview.
    Ich glaube , dass es viele Menschen schon seit längerem nervt, dass die Opfer oft weniger beachtet bleiben als die Täter und sich viele Menschen von unserer Justitz härtere Konsequenzen gegen Gealtverbrecher wünschen.
    Leider erscheinen manchmal rauhe Gewalttaten eher “geduldet” zu sein als Eigentumdelikte über den privaten Bereich hinaus?
    Ich freue mich sehr auf die Erscheinung des Buches, weil der Autor fachliche Komptenz mit einer tollen Menschlichkeit vereint!
    Da kann man nur viel Erfolg wünschen!

  2. Schlomo2000 11. Oktober 2014 um 18:55 Uhr - Antworten

    Das Ziel, “Otto Normalverbraucher” zweckmäßige Strategien und präventive Maßnahmen für den Ernstfall wirkungsvoll zu vermitteln, halte ich für sehr ambitioniert. Ich bin gespannt auf das Buch.

  3. DaKömmerEbnSowasNimmerMachen 7. November 2014 um 20:26 Uhr - Antworten

    Allein das Interview ist lesenwert. Egal, ob man den einzelnen Aussagen zustimmt oder nicht: Der Autor zeigt klare Kante und laviert nicht im Eventuellen. Vielmehr bietet er hier und auch in anderen den Artikeln auf dieser Seite konkrete und widerlegbare Lösungsvorschläge und Erklärungsansätze. Auf diese Weise zieht man als Leser das meiste aus solch einem Text.

    Da ich bezüglich Eigentumsdelikten schon mehrfach betroffen war und auch das daraus resultierende “gefühlte Nichtsichersein” in den eigenen vier Wänden erlebt habe, weiß ich gute Ratschläge für geeignete Präventivmaßnahmen zu schätzen. Hier habe ich auch eine konkrete Vorstellung über die Art der angebotenen Präventivmaßnahmen. Bei anderen Delikten habe ich jedoch überhaupt keine Vorstellung und hier bin ich sehr gespannt über die angebotenen Maßnahmen.

    Den letzten Grund für die vom Autor in diesem Interview angeführten Missstände, die steigende Zahl von Delikten, wird man aber auch nicht durch individuelle Schutznahmen auflösen können. Da gebe ich mich keinen Illusionen hingeben. Aber auf aus Polizistensicht dargestellten Probleme (allein bei der Auswahl der Themen wird sich der Beruf nicht leugnen lassen), die der Laie nicht unbedingt mitbekommt und ihre Hintergründe freue ich mich.

    Februar kommt’s raus. Ich bin dabei!

  4. Stefan 28. November 2014 um 23:32 Uhr - Antworten

    Finde deine bisherigen Artikel auf der Seite sehr Aufschlussreich. Ich schaue regelmäßig auf deiner Internetseite vorbei und Informiere mich über die Themen, welche mich aktuell bewegen. Ich hoffe und wünsche dir für das Buch alles gute und viel Erfolg.

  5. Verena 7. Mai 2015 um 14:12 Uhr - Antworten

    Hallo Steffen,

    habe das Buch heute erhalten und gleich angesehen.
    Mein erster Eindruck:
    Das Vorwort ist auch sehr interessant und hilft sicherlich bei Kaufentscheidungen von Unentschlossenen. Beim Blättern sind mir sofort positiv die Aufmachung deiner Kapitel sowie die kurzen Zusammenfassungen aufgefallen. Auch dein Schreibstil sowie die Beschreibungen der Situationen finde ich gut. Ich finde, es ist ein gutes Buch geworden und beglückwünsche dich zu deiner Leistung.

    Mach weiter so! Verena

  6. Dresdner 10. Mai 2015 um 10:11 Uhr - Antworten

    Hey Steffen,

    alles da, hat super geklappt.
    Gleich die ersten 160 Seiten deines Buches runtergeschrotet und da weiß ich gleich, woher meine Schwärmerei für den Polizeiberuf kommt. Absolut interessant!

    Einstweilen herzliche Grüße!

  7. Beate 11. Mai 2015 um 19:23 Uhr - Antworten

    Lieber Steffen,

    danke für die Zusendung deines Buches. Habs am Samstagnachmittag bekommen und hab gleich angefangen zu lesen. Bin bis gestern auf S. 176 gekommen, was für mich wirklich Rekord ist. Das Buch ist wirklich genial!!! Vor allem das viele Hintergrundwissen finde ich toll, das hat man ja als Laie gar nicht. Herzlichen Glückwunsch für dein gelungenes Buch!

    Viele Grüße sendet Beate.

  8. Gaunerzinken Infoblog 3. April 2017 um 15:14 Uhr - Antworten

    Prävention zur Verhinderung von Straftaten oder zur Gefahrenabwehr ist sehr wichtig. Hut ab vor ihrem Engagement, Herr Meltzer. Da ich mich auch speziell mit diesen beschäftigte, werde ich mir das Buch bestellen. Ihre Website ist insgesamt sehr informativ. Ich bin durch das Thema Gaunerzinken hierher gekommen. Einbruchschutz ist mein Steckenpferd. Weiterhin viel Erfolg

    Viele Grüße aus Kassel, Sven.

  9. Steffen Meltzer 3. April 2017 um 16:12 Uhr - Antworten

    Hallo Sven, vielen Dank für Ihre anerkennende Rückmeldung! Sie können das Buch gern hier bestellen:

    https://www.steffen-meltzer.de/produkt/ratgeber-gefahrenabwehr-wie-sie-sich-vor-gewalt-und-alltagskriminalitaet-in-der-gesellschaft-schuetzen/

    Ich wünsche Ihnen ebenfalls zu Ihren Steckenpferd alles Gute!

    Beste Grüße aus Potsdam wünscht Ihnen Ihr
    Steffen Meltzer

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Ehrlich, ungeschönt, analytisch, alles andere als politisch korrekt.
Ratgeber Gefahrenabwehr
Praxistaugliche, oft verblüffende Lösungen, die jeder selbst leicht umsetzen kann.