von Steffen Meltzer
An einem Tag gegen 18 Uhr erreichte mich eine schockierende Nachricht: Ulrichs Frau, Renate Solbach, war plötzlich verstorben. Beide kannte ich gut – sehr intellektuelle, zugleich aber auch bodenständige und herzliche Menschen. Sofort begann ich, mir Sorgen um Ulrich zu machen, denn seine Gesundheit war bereits angeschlagen. Würde er diesen schweren Schicksalsschlag verkraften? Renate, Psychologin und Literaturwissenschaftlerin, war nicht nur seine Frau, sondern auch seine verlässliche Partnerin bei vielen Projekten. Sie waren Seelenverwandte – zwei Kulturschaffende, die sich gesucht und gefunden hatten.
Ulrichs Begabung machte ihn zum Jahrgangsbesten an einem bayerischen Elitegymnasium. Anschließend studierte er Philosophie und Germanistik. 1996 erhielt er eine außerplanmäßige Professur an der Fernuni Hagen – eine Auszeichnung für besondere Verdienste in der wissenschaftlichen Arbeit. Sein Schwerpunkt lag nicht nur auf Literatur; er scheute sich nicht vor anderen Fachgebieten. Wenn nicht der Philosoph, wer dann? „Seine Arbeiten umfassen neben literaturtheoretischen und kulturkritischen Texten auch ein lyrisches Werk, eine Reihe erzählerischer Titel sowie Essays zu literarischen, philosophischen und politisch-kulturellen Themen.“ (Das Zitat aus Wikipedia sei mir verziehen.) Ich habe nicht alle seine Werke gelesen, aber einige. So verfasste ich eine Rezension zu seinem Buch „T – Die Stufen des Kapitols“, das auf mehreren Plattformen veröffentlicht wurde. Prof. Dr. Schödlbauers Werke sind keine leichte Massenkost. Wer sich darauf einlässt, kann die Gedanken eines der letzten Dichter und Denker der alten Schule verfolgen – was nicht jedem gelingen wird. Es lohnt sich!
Ich kann mich nicht mehr genau erinnern, wann und wie ich Ulrich kennengelernt habe. Es muss mit der „Schreiberei“ zu tun gehabt haben. Wir waren beide Autoren auf verschiedenen und auch selben Plattformen. Ob es ein Jahrestreffen vieler Autoren war oder ein Kontakt über die „sozialen Netzwerke“? Da wir nicht weit auseinander wohnten, trafen wir uns irgendwann persönlich. Daraus entstanden mehrere Treffen und gemeinsame Unternehmungen – auch mit unseren Frauen. Tiefgründige und lange Gespräche folgten. Bald schrieb ich auch für das Projekt „Globkult-Magazin“, bei dem Renate als Redakteurin und Ulrich als Herausgeber fungierten. Ebenso veröffentlichte Ulrich auf meiner Homepage. Dazu konnte ich Ulrich für das (Gemeinschaftswerk vieler Autoren) Buch „Die hysterische Republik“ gewinnen, in dem er einen Artikel beisteuerte.
Der Tod von Renate kam unerwartet, der von Ulrich wenige Wochen später leider nicht. Eine noch schwerere Erkrankung übermannte ihn. Gemäß seiner Verfügung wurden die Maschinen abgestellt, als jegliche Hoffnungen leider zerstoben waren.
Zahlreiche Gäste hatten sich bei der Trauerfeier der beiden Verstorbenen eingefunden. Die erste Rede hielt sein langjähriger Weggefährte, der Historiker Peter Brandt, ein Sohn von Willy Brandt. Weitere Beiträge voller Ergriffenheit folgten. Tränen liefen über die Gesichter.
Die hinterbliebene und zweimalig-einmalige Lücke ist für uns nicht mehr zu schließen. Beide liebgewonnenen Freunde werden uns sehr fehlen.
Der Tod ist kein Steuermann; er kommt schnell und unvorbereitet. Er fragt nicht, ob der Moment gerade passend ist. Am Ende des Weges sind wir alle gleich – ganz gleichgültig, woher wir kommen und wohin wir noch gehen wollten. Die Lebenswerke von Renate und Ulrich sind vollendet. Sie bleiben bestehen und sind deshalb unvergessen – in unseren Köpfen und Herzen.
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